Der VfR stellt Fragen – die Bürgermeisterkandidaten antworten!

Bilder der CDU, SPD, Grüne Kandidaten mit dem Text "Das Bürgermeisterkandidateninterview 2020"
12. September 2020

Das VfR 06 Neuss Bürgermeisterkandidaten Interview 2020

Liebe Mitglieder, Fans, Freunde und Sponsoren des VfR 06 Neuss,

am morgigen Sonntag findet die Kommunal- und Bürgermeisterwahl statt. Rekordverdächtige 7 Bürgermeisterkandidaten stehen diesmal zur Wahl. Zweifelsohne wird der künftige Bürgermeister durch seine Arbeit und Entscheidungen die Zukunft des VfR ein Stück weit mit prägen. Grund genug für uns als Traditionsverein, mal alle Kandidaten zum VfR zu befragen.

Wir haben daher allen 7 Kandidaten im Vorfeld einen Fragebogen geschickt.
Die Fragen und Antworten veröffentlichen wir nun hier unkommentiert, damit sich jeder sein eigenes Urteil bilden kann:

Unsere Fragen Beantwortet haben:

Reiner Breuer (SPD)
Jan-Philipp Büchler (CDU)
Michael Klinkicht (GRÜNE)

keine Antworten haben wir bekommen von:

Michael Fielenbach (FDP)
Roland Sperling (LINKE)
Thomas Lang (UWG/Freie Wähler)
Carlo Dietz (Zentrum)

1. Welche ist Ihre früheste Erinnerung an den VfR 06 Neuss – können Sie uns darüber mehr erzählen?

Reiner Breuer:
Als waschechter Neusser und Fußball-Fan ist mir die traditionsreiche Geschichte des VfR Neuss natürlich bekannt. Wie vielen Neusserinnen und Neussern hat mir auch mein Vater von den legendären Spielen gegen Fortuna Düsseldorf erzählt. Und unter Friedhelm Funkel als damaligen Trainer habe ich mir natürlich auch das ein oder andere Spiel persönlich angeschaut.

Jan-Philipp Büchler:
Gute Frage 😉 Die Heimat des VfR an der Hammer Landstraße war Ende der 60er Jahre „das Ziel“ aller Fußballfreunde. Spieler wie Gerhard Buddatsch, Friedhelm und Wolfgang Funkel und Josef Kokesch sind auch heute noch Aushängeschilder. Das Highlight war der 5:4 Sieg über Fortuna Düsseldorf im eigenen Stadion.

Michael Klinkicht:
Meine früheste Erinnerung an den VFR Neuss ist, das damalige Gesprächsthema Nr.1 vom legendären Sieg des VfR über Fortuna Düsseldorf 1967. Ich war allerdings noch zu jung, um das damals zu verstehen. Erst Jahre später habe ich die historische Bedeutung erkannt.

2. Wie bewerten Sie die Entwicklung des Vereins seit dem Neuanfang 2015/2016?

Jan-Philipp Büchler:
Ich freue mich sehr, dass der traditionsreiche VfR den Neustart geschafft und eine nachhaltig, positive Entwicklung zu verzeichnen hat. Gerne würde ich als Bürgermeister den VfR bei seinem weiteren Weg aktiv unterstützen.

Michael Klinkicht:
Ich freue mich, dass der VfR wieder auf gutem Wege ist. Die damalige Situation war ziemlich verfahren; Insolvenzen und kleinteilige Machtkämpfe lähmten den Sportbetrieb. Das war sehr traurig, da die Spieler die Leidtragenden waren. Ich hoffe sehr, dass der Aufwärtstrend weiter anhält und weiterhin so ruhig gearbeitet wird.

Reiner Breuer:
Ich habe mich sehr darüber gefreut, dass sich der VfR Neuss als „Traditionsverein“ in den vergangenen Jahren neu aufgestellt hat und wieder Ruhe in den Verein hereingekommen ist. Soweit ich das beurteilen kann, leistet der neue Vorstand gute Arbeit. Und die Arbeit trägt ja auch erste Früchte – denn der VfR Neuss hat nach einem Intermezzo in Weckhoven wie von mir zugesagt im Jahnstadion in Innenstadtnähe eine neue Heimat gefunden und spielt mittlerweile nach zwei ungefährdeten Aufstiegen schon wieder in der Kreisliga A. Und selbst der direkte Durchmarsch in die Bezirksliga ist nur knapp verpasst worden. Ich bin mir sicher, dass wir in den kommenden Jahren noch viel vom VfR Neuss hören werden.

3. In den letzten drei Jahren konnte der VfR wieder sukzessive die Jugendabteilung aufbauen. Zur aktuellen Spielzeit konnte der Verein fünf Jugendmannschaften anmelden. Kinder und Jugendliche in grün-weißen Trikots des traditionsreichen Vereins, gehören wieder zum Neusser Stadtbild. Welche Pläne haben Sie, um den Jugendfußball im Besonderen die Jugendarbeit der Vereine im Allgemeinen zu unterstützen?

Michael Klinkicht:
Die Stadt Neuss unterstützt den Sport von und mit Kindern und Jugendlichen grundsätzlich. Die Jugendarbeit innerhalb der einzelnen Vereine ist aber in erster Linie Aufgabe der Vereine selbst. Leider ist durch den zunehmenden Ganztagsunterricht an den Schulen die Vereinsarbeit schwieriger geworden. Hier hat die Kommunalpolitik leider wenig Einfluss. Ich würde mir wünschen, dass Kooperationen mit einzelnen Schulen entstehen, so dass die Kinder und Jugendlichen einen Verein als Ansprechpartner haben. Für konkrete Projekte und Wünsche ist unser städtischer Beigeordneter Dr. Matthias Welpmann der beste Ansprechpartner

Reiner Breuer:
Ich freue mich darüber, dass der VfR Neuss an dem Aufbau einer neuen Jugendabteilung arbeitet. Denn eine intakte Jugendarbeit sorgt für die Identifikation mit dem Verein – und über den Fußball als Mannschaftssport lernen Kinder und Jugendliche schon früh Werte wie Respekt, Toleranz und Fairplay. Als Bürgermeister bin ich davon überzeugt, dass die Stadt Neuss den aktiven Vereinen schon heute eine gute Sportinfrastruktur für eine erfolgreiche Jugendarbeitet bietet. Denn in den vergangenen Jahren konnten in Gnadental, Norf, auf der Bezirkssportanlage am Stadtwald und im Jahnstadion weitere Kunstrasenplätze geschaffen werden.
Und in Reuschenberg wird aktuell mit Hochdruck an  einem weiteren Kunstrasenplatz gearbeitet. Darüber hinaus unterstützt die Stadt Neuss die Sportvereine in unserer Stadt auch finanziell und zahlt für alle angemeldeten Kinder und Jugendlichen einen Zuschuss an die Vereine. Den eingeschlagenen Weg möchte ich als Bürgermeister auch in den kommenden Jahren fortsetzen  und im Austausch mit den Vereinen an weiteren Verbesserungen arbeiten.

Jan-Philipp Büchler:
Nach den massiven Einschränkungen des Vereinslebens durch die Corona-Pandemie möchte ich als Bürgermeister alle Sportvereine dabei unterstützen, gerade den Kindern und Jugendlichen in Neuss möglichst schnell das gewohnte Sportangebot und Vereinsleben anbieten zu können. Grundvoraussetzung für gute Jugendarbeit in den Vereinen sind gute Sportanlagen, eine moderne Infrastruktur auf den Anlagen, eine gute Betreuung durch Trainerinnen und Trainer und ein starkes Ehrenamt. Für diese guten Rahmenbedingungen möchte ich sorgen.

4. Nach dem Umzug des VfR zum Neusser Jahnstadion teilt sich der Verein die Fußballtrainingskapazitäten mit zwei weiteren Fußballvereinen. Die Anlage platzt aus allen Nähten. Auch aufgrund des Wachstums des VfR verschärft sich die Platznot und stellt die Verantwortlichen von Sportamt und Vereinen vor große Herausforderungen. Welche Ideen haben Sie, um die Situation im Jahnstadion zu entspannen?

Reiner Breuer:
Zunächst einmal freue ich mich darüber, dass es gelungen ist, dem VfR Neuss wie von mir zugesagt im Jahnstadion in Innenstadtnähe eine neue Heimat zu geben. Und durch die in den vergangenen  Jahren erfolgten Investitionen spielt der VfR Neuss gemeinsam mit der DJK Novesia und dem FSV  Vatan auf einer vollumfänglich modernisierten Anlage, in die in den kommenden Jahren noch weiter investiert wird – beispielsweise durch die Modernisierung der Umkleidekabinen. Auch wenn das Jahnstadion schon heute eine der größten Bezirkssportanlage in der Stadt Neuss  ist, platzt die Anlage buchstäblich aus allen Nähten. Die vielfältigen Sportangebote im Jahnstadion ermöglichen allerdings alleine aus räumlichen Gründen keine größeren Erweiterungen.

Ich könnte  mir allerdings vorstellen, dass ein weiteres Multifunktionskleinspielfeld zwischen Ascheplatz und  Rasenplatz gebaut werden könnte, um zusätzliche Trainingsmöglichkeiten schaffen zu können. Denn ein solches Spielfeld war bereits in meinem damaligen Konzept zur Modernisierung des  Jahnstadions vorgesehen, musste aber leider zunächst einmal aus Kostengründen verschoben  werden. Dieser oder weitere Ideen möchte ich nach der Kommunalwahl gemeinsam mit den im Jahnstadion beheimateten Vereinen besprechen. Und selbstverständlich bin ich bei jedem  Vorschlag aus den Reihen der Vereine gesprächsbereit.

Jan-Philipp Büchler:
Das Jahnstadion wurde zuletzt umfassend aufgewertet und hat einen neuen Kunstrasenplatz erhalten. Die jetzt herrschende Platznot ist zunächst ein gutes Zeichen, dafür das das Jahnstadion angenommen und die Vereine sich über entsprechenden Zuspruch und Wachstum freuen können. Dieses muss jetzt versucht werden, mit bestmöglicher Kooperation unter den Vereinen zu entschärfen.

Michael Klinkicht:
Ich bedauere noch heute, dass wir uns im Rat der Stadt Neuss nicht gegen den Abriss des Traditionsstadions haben durchsetzen können. Leider präsentierte sich der VfR zur damaligen Zeit auch nicht in Bestform, um die Mehrheit im Rat zu verändern. Ich bin der festen Überzeugung, dass die Politik, sollte der VfR sich weiterhin sportlich so gut entwickeln und nicht wieder in finanzielle Krisen geraten, nicht an einer Verbesserung der momentanen Situation vorbeikommt. Aber ich appelliere an die Vereinsführung, weiterhin durch gute Arbeit auf sich aufmerksam zu machen.

5. Mit dem Verlust der alten Spielstätte an der Hammer Landstraße fehlt es dem VfR 06 Neuss an Räumlichkeiten, um das Vereinsleben auch abseits des Spielfeldes zu pflegen. Die vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer führen den Verein aktuell aus einer Doppelgarage ohne Strom und fließendes Wasser. Diese belastende Situation führt immer wieder zu neuen Problemen, wirkt sich negativ auf die Motivation aus und macht eine Zukunftsplanung schwer möglich. Welche Maßnahmen können sie zusagen, um diese Probleme zu lösen?

Jan-Philipp Büchler:
Für den VfR muss schnell eine Situation hergestellt werden, die ein vernünftiges Arbeiten ermöglicht. Dies könnten z.B. schnell verfügbare Containerlösungen sein.

Michael Klinkicht:
Ich habe großes Verständnis für ihr Problem, aber es wäre unredlich hier und jetzt konkrete Maßnahmen zuzusagen. Ich verweise auf meine Antwort zu Frage 4.

Reiner Breuer:
Um den VfR Neuss wie zugesagt im Jahnstadion eine neue Heimat zu geben, hat die Stadt Neuss  kurzfristig an unterschiedlichen Maßnahmen gearbeitet, um ausreichend Räumlichkeiten für alle  im Jahnstadion beheimateten Vereine zu schaffen. Dabei war allen Beteiligten klar, dass es in der  Anfangszeit auch zu provisorischen Maßnahmen kommen wird.
Inwieweit in den kommenden Jahren weitere Verbesserungen erreicht werden können und welche Anforderungen und Wünsche es seitens der im Jahnstadion beheimateten Vereine gibt, möchte ich gerne nach der Kommunalwahl im Gespräch mit den Vereinen erörtern, um eine tragfähige Lösung zu erarbeiten, die anschließend auch von allen Vereinen mitgetragen wird.

6. Welche Ideen haben Sie, um das Fußballzentrum am Neusser Jahnstadion in Zukunft zu stärken?

Michael Klinkicht:
Um ehrlich zu sein: Ich bin für Ideen und Anregungen des Vereins dankbar.

Reiner Breuer:
Ich bin davon überzeugt, dass das Jahnstadion schon heute eine attraktive Bezirkssportanlage ist, in die auch in den kommenden Jahren weitere Investitionen erfolgen werden. Neben dem von mir  bereits ins Gespräch gebrachten Multifunktionskleinspielfeld zwischen Ascheplatz und Rasenplatz  könnte der Kunstrasenplatz perspektivisch auch noch durch den Bau einer Tribüne aufgewertet werden, um richtige „Stadionatmosphäre“ schaffen zu können.
Eine solche Tribüne war bereits in dem von mir auf den Weg gebrachten Konzept enthalten, musste allerdings zunächst einmal aus Kostengründen zurückgestellt werden. Der Kunstrasenplatz  wurde allerdings bewusst so gestaltet, dass eine Tribüne ohne Probleme nachträglich errichtet  werden kann.

Jan-Philipp Büchler:
Das Jahnstadion wurde nach der Definition der interfraktionellen Arbeitsgruppe Sport unter der Federführung von IKPS nicht als Fußballzentrum, sondern als historisch geprägte und erhaltenswerte Sportstätte für zahlreiche Sportarten ausgewiesen (Schulsport, Fußball, Leichtathletik, Tennis, Hockey, Kegeln u.v.m.). Dazu gibt es einen entsprechenden Ratsbeschluss.
Eine Stärkung als Fußballzentrum ist wohl alleine aus Lärmschutzgründen der zu nahen Wohnbebauung ausgeschlossen. Unter diesen Rahmenbedingungen müssen Sportverwaltung und die im Jahnstadion vertretenen Vereine in Zusammenarbeit Möglichkeiten erarbeiten, wie der Fußball im Jahnstadion weiter gestärkt werden kann. Als Bürgermeister werde ich die Initiativen der Vereine im Jahnstadion bestmöglich unterstützen.

7. Können Sie sich vorstellen, dass attraktiver Amateurfußball in Neuss Besucher aus den angrenzenden Städten anzieht? Wenn ja, welche Voraussetzungen müssten dazu geschaffen werden?

Reiner Breuer:
Schon heute zieht attraktiver Jugend-Amateurfußball einmal pro Jahr Besucher aus den angrenzenden Städten nach Neuss. Denn auf der Ludwig-Wolker-Anlage und vorher im Jahnstadion findet normalerweise mit dem „Novesia-Cup“ ein attraktives Sportevent statt, das jedes Jahr auch viele Jugendmannschaften von Bundesligisten oder internationalen
Spitzenvereinen in die Stadt Neuss lockt.
Ansonsten ist es mir deutlich wichtiger, dass alle in der Stadt Neuss aktiven Vereine eine gute Sportinfrastruktur vorfinden, um unseren Kindern und Jugendlichen ein tolles und vielfältiges Sportangebot zu ermöglichen. Und auf diesem Wege möchte ich auch die Gelegenheit nutzen, den Verantwortlichen des VfR Neuss und allen Ehrenamtlern für ihre wichtige Arbeit zu danken.

Jan-Philipp Büchler:
Ja, natürlich. Gemeinsam mit dem Stadtsportverband, Kreissportbund, Neuss Marketing und den beteiligten Vereinen müssen neue Formen gefunden werden, wie neue sportliche Ereignisse initiiert und bestehende in Neuss und darüber hinaus noch besser bekannt gemacht und beworben werden können. Auch sollte ein Fokus darauf gelegt werden, wie Ausflügler aus den umliegenden Städten ein rundes Gesamtpaket aus einfacher An- und Abreise, sportlichen Ereignis und weiteren Freizeittätigkeiten in unserer Stadt, wie einen Innenstadtbummel oder eine Fahrradtour am Rhein werden können.

Michael Klinkicht:
Zwischen den Fußballhochburgen Köln, Düsseldorf, Mönchengladbach und Leverkusen ist eine Attraktivierung des Amateurfußballs mit steigenden Zuschauerzahlen nur begrenzt möglich. Spiele mit mehr als 1.000 ZuschauerInnen sind eher selten.

Aber ich bin der festen Überzeugung, dass sich guter Fußball in einem attraktiven Umfeld positiv auf die Zuschauerzahlen auswirken wird. Selbstverständlich gehört hierzu ein geeignetes Stadion in einer mit ÖPNV, Rad, PKW oder zu Fuß gut zu erreichenden Lage. Dafür müssen letztendlich aber auch die sportlichen Rahmenbedingungen stimmen, so dass die Neusser sich wieder mit dem Verein identifizieren können.

Der VfR 06 Neuss bedankt sich für die ehrlichen und umfangreichen Antworten bei den Kandidaten und wünscht viel Erfolg am Wahlsonntag!

ergänzend weitere Links zu den Webseiten der am Interview teilnehmenden Kandidaten:

Reiner Breuer (SPD)
Jan-Philipp Büchler (CDU)
Michael Klinkicht (GRÜNE)

Hinweis: Die Reihenfolge der Antworten erfolgt zuerst alphabetisch und dann abwechselnd.